Am Montag, den 19. Oktober 2026, besuchten die Klassen 10a, 10b und 10c der Heinrich-Campendonk-Realschule Penzberg gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern weiterer Klassen der Mittelschule Penzberg eine Lesung des Autors Frank Schwieger im Metropol Penzberg. Im Mittelpunkt stand sein Buch Kinder unterm Hakenkreuz, das die Zeit des Nationalsozialismus aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen beleuchtet, die diese Epoche selbst erlebt haben. Organisiert und kostenfrei ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Stadtbücherei Penzberg.
In ihren einleitenden Worten betonte die Büchereileiterin Frau Ilka Heissig, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, aus der Vergangenheit zu lernen und die Fehler und Verbrechen von damals nicht zu wiederholen. Gerade für junge Menschen ist die Beschäftigung mit der NS-Zeit von großer Bedeutung, um historische Ereignisse zu verstehen und deren Relevanz für die Gegenwart zu erkennen.
Anschließend gab Frank Schwieger spannende Einblicke in die Entstehung seines Buches und berichtete, was ihn dazu bewegt hatte, die Geschichten junger Menschen während der NS-Zeit aufzuschreiben. Seine zehn Hauptfiguren sind zwischen zehn und 16 Jahre alt. Aus ihren unterschiedlichen Perspektiven erzählt er von Verfolgung und Flucht,
Krieg und Bombenangriffen, dem Verlust von Familienangehörigen, der Hitlerjugend und der Ermordung der europäischen Juden. Die Lebensgeschichten zeigen eindrücklich, wie tiefgreifend die nationalsozialistische Herrschaft in den Alltag und das Leben von Kindern und Jugendlichen eingriff.
Gerade dieser Zugang erschien uns für unsere Schülerinnen und Schüler besonders interessant: Die historischen Ereignisse einmal aus der Sicht von Gleichaltrigen kennenzulernen, eröffnet eine andere, sehr persönliche Perspektive auf die Vergangenheit. Da sich die Hauptfiguren teilweise im gleichen Alter befinden wie die Jugendlichen heute, fällt es möglicherweise leichter, sich in deren Lebenssituationen hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie unterschiedlich und zugleich einschneidend die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen während des Nationalsozialismus waren.
Besonders eindrucksvoll war die Lesung des Kapitels über die 13-jährige Anneliese Meisner. Mit ruhiger, eindringlicher Stimme las Frank Schwieger die Geschichte des Mädchens vor und ergänzte seinen Vortrag durch historische Bilder auf der Leinwand. Anneliese erlebt die Reichspogromnacht im November 1938, in der jüdische Geschäfte und Synagogen zerstört und in Brand gesetzt und jüdische Menschen verfolgt wurden. Aus ihrem Fenster beobachtet sie die Geschehnisse der Nacht. Besonders erschütternd ist für sie, dass auch ihre jüdischen Nachbarn, die sie als nette und vertraute Familie kennt, abgeholt werden. Diese Schilderung machte deutlich, wie Ausgrenzung und Verfolgung mitten im vertrauten Alltag stattfanden und welche menschlichen Schicksale sich hinter den historischen Ereignissen verbergen. Die Geschichte bewegte die Schülerinnen und Schüler sichtlich.
Die Lesung knüpfte zugleich an die intensive Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg an, die bereits in der neunten Jahrgangsstufe stattgefunden hatte. Damals besuchten wir mit den Schülerinnen und Schüler unter anderem das Weiße-Rose-Musical, erlebten eine Lesung von Tim Pröse zum Stauffenberg-Attentat und zum Widerstand gegen das NS-Regime und setzten sich bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Außerdem begaben sie sich auf die Spuren der Penzberger Mordnacht.
Im Geschichtsunterricht der zehnten Jahrgangsstufe stehen inzwischen die Entwicklungen nach 1945 im Mittelpunkt. Dazu gehören die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen, die Entnazifizierung, die Potsdamer Konferenz und die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen. Dennoch hielten wir es für sinnvoll, noch einmal an die bereits behandelten Inhalte anzuknüpfen und den Blick gezielt auf die Schicksale jener Kinder und Jugendlichen zu richten, die den Nationalsozialismus selbst erlebt haben.
Die Begegnung mit Frank Schwieger und seinem Buch bot unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich auf eine neue, sehr persönliche Weise mit dieser historischen Epoche auseinanderzusetzen. Die Lesung war eine wertvolle Ergänzung des Geschichtsunterrichts und machte deutlich, dass Geschichte nicht nur aus Daten und Fakten besteht, sondern vor allem von Menschen, ihren Erfahrungen und ihren Schicksalen erzählt.
Wir freuen uns, dass wir dieses kostenfreie Angebot der Stadtbücherei Penzberg nutzen konnten, um unseren Geschichtsunterricht durch eine weitere außerschulische Erfahrung zu bereichern und die Bedeutung von Erinnerung, Empathie und historischer Verantwortung zu unterstreichen.
Nicole Vogl








